Karten gelten als neutral, dabei sind sie oft politisch aufgeladene Instrumente. Diese Woche schauen wir auf Karten als Staatsgeheimnisse: absichtlich verfälscht, skaliert oder manipuliert, um gegnerische Geheimdienste und Militärs zu täuschen. Besonders im Kalten Krieg wurden Höhenangaben gefälscht, Städte ausgelassen und ganze Infrastrukturen verschoben, mit dem Ziel, militärische Angriffe zu erschweren.
Mit dem Aufkommen der Satellitenfotografie wurde diese Praxis zunehmend herausgefordert. Doch auch heute bleibt der Zugriff auf geografische Informationen ein politisches Thema, wie z. B. Chinas Kontrolle von GPS- und Kartenmaterial zeigt. Im militärischen Bereich spielen moderne Geoinformationssysteme (GIS) eine Schlüsselrolle – von der Routenplanung über die Aufklärung bis zur Steuerung komplexer C4IS-Systeme.
Zivile Anwendungen wie die Beweissicherung bei Kriegsverbrechen oder die kulturelle Dokumentation durch UNESCO zeigen, dass Geoinformation nicht nur Zerstörung, sondern auch Schutz ermöglichen kann. Besonders brisant: Der Graubereich kommerzieller Satellitenbilder, die teils präzisere Daten liefern als militärische Aufklärung und dabei unfreiwillig Kriegsstrategien mitformen.
Gemeinsam mit Euch möchten wir über diese Themen diskutieren. Dazu treffen wir uns am 05.Juni um 20 Uhr in Raum 124 im Institut für Politikwissenschaft. Im Anschluss geht es noch in den Irish Pub.
Wir freuen uns auf Euch!